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Informationen zum Stützpunkt-Training in Kulmbach-Stadtsteinach:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Sportler, Eltern und Leichtathletiktrainer der Region,

seit etwa 30 Jahren stellte ich mich immer wieder für den Bayerischen Leichtathletik-Verband als Kader- und Stützpunkt-Trainer zur Verfügung. Ich war Kadertrainer Diskus/m, Diskus/w, Hammer/m+w und unsere mit Kontinuität und großer Mühe in der Provinz aufgebauten Möglichkeiten im Wurfbereich wurden dem bayerischen Leichtathletik-Verband Jahrzehnte zur Verfügung gestellt.

Ich habe, was den Umgang mit jungen Sportlern oder Leuten wie mich durch den BLV betrifft, in der Zeit viel erlebt. So gab es in lange vergangenen Jahren mal Geräte-Hilfen aus München für offizielle BLV-Provinz-Stützpunkte -  heute ist kein Etat dafür da. Es gab einst für unsere besten Talente unbürokratisch praktische Hilfen (Spezialschuhe, Geräte, Zuschüsse für Trainingslager, Zusatzernährung) -  heute stellt der Verband Forderungen an sein größtes Gut. Wer jetzt denkt, ja so ein BLV-Trainer verdient ja auch mit dem Sport, der irrt. Honorare für die Stützpunkt-Trainer (ich steckte diese Jahrzehnte Cent für Cent in unsere Geräteausstattung), für die Trainer aus vergleichbaren Sportarten keinen Finger krumm machen würden, waren beim BLV mal mittelfristig 3x so hoch wie heute oder wurden mal mitten in der Saison eingestellt usw.. Kontinuietät oder gar Planungssicherheit - Fehlanzeige ...

Wenn ich ehrlich bin, ist mir so ein finanzielles Larifari eigentlich wurscht, denn wer sich darauf verlässt, kann seinen Sport - in dem Fall die Leichtathletik - in Bayern einstellen. Ohne dickes Fell, wird man schnell zermürbt. Ich habe ein dickes Fell. Nach wie vor keineswegs egal ist mir jedoch die Förderung unserer Leichtathletik-Talente bzw. eine notwendige Struktur dafür, eben ein Vorausschauen/Planen sportlicher Werdegänge.

Beispiele:  So wurden uns immer wieder junge Athleten nach München abgeworben - seinem Talent entsprechend hat sich dort jedoch kein oberfränkisches Wurf-Talent weiterentwickelt. Uns wurden vom BLV-Teamleiter/ Wurf durch persönliche Eitelkeiten immer wieder in Kulmbach "Parallel-Stützpunkte" - mit der Absicht uns zu schwächen und ans Schienbaum zu hauen - vor die Nase gesetzt, bestückt mit Verantwortlichen, die teilweise nicht mal einen normalen Übungsleiterschein hatten. Die künstlichen Stützpunkte (3 an der Zahl) gab es immer nur kurzfristig - unsere Trainingsgruppe bringt nach wie vor seit Jahrzehnten für den BLV Talente mit Bundeskader-Niveau hervor. Unschätzbares Potential ist durch diese, an fachlicher Vernunft vorbeigehenden, Aktionen in der Region zerstört worden. Der immernoch zuständige BLV-Teamleiter/Wurf muss und wird sich dafür nie rechtfertigen müssen...

Während andere Sportverbände auch in unserer Region mit National-Spielern durch die Grundschulen tingeln und 10, 11Jährige Talente für uns auf Nimmerwiedersehen abgreifen, gibt es im BLV keinerlei Sichtung. Der erste Ansatz erfolgt mit ca. 13 Jahren durch das sogenannte E-Kader-System, das von Landesverband zu Landesverband auch völlig unterschiedlich aussieht. In Bayern/Oberfranken bedeutet E-Kader-Förderung 5-6 Samstagstrainings in einer Saison in verschiedenen Disziplinblöcken(vom Aquajogging - Fitnesstag in der Jugendherberge) - in Hessen findet E-Kadertraining wöchentlich mit qualifizierten Spezial-Trainern begleitend zum Vereinstraining statt. Noch Fragen?

Ich wurde einmal gebeten in München ein Referat vor den E-Kader-Koordinatoren zu halten, indem ich darstellte, wie ich mir Sichtung/ Förderung/Hinführung zur Spezialdisziplin in dem Alter vorstelle. Mir wurde damals von den Verantwortlichen eifrig auf die Schulter geklopft, seitdem hat sich diesbezüglich in Bayern aber leider nichts, aber auch gar nichts verändert....

Früher gab es im BLV mal ein Lehrgangs-System(Lehrgangskultur) für D-Kaderathleten, z.B. für jede einzelne Disziplin 6 Winter-Wochenend-Lehrgänge in der alten Sportschule Grünwald im 4-Wochenrhythmus mit trainingsmethodisch sinnvoll aufeinander aufbauenden Trainings- und Test-Inhalten.  Ich kann nur aus Sicht des Blocks Wurf mitreden, heute finden ab und zu disziplingemischte Kreuz- und Quer-Lehrgänge mit Kommen und Gehen statt, wenn man halt gerade mal Plätze in der Sportschule Oberhaching ergattert hat, inklusive stundenlangem, sinnlosen Hin- und Herfahren zwischen Oberhaching und der Leichtathletik-Halle im Norden Münchens, inklusive hundsmiserablen, nicht sportgerechtem Essen (ohne Getränke !) in der Landes-Sportschule... Die Ergebnisse sind aber eben auch anders als in vergangenen Zeiten: Ich erinnere mich z.B. an bayerische Diskus-Mädels, die ich als junger Trainer betreuen durfte, die durch eine entsprechende Lehrgangskultur mal bei deutschen B-Jugend-Meisterschaften Platz 1,2,4,8 belegten. Soetwas ist heute in der bayerischen Leichtathletik undenkbar - Talententwicklung ist Sache von LA-Verrückten oder reiner Zufall, hat überhaupt nichts mit der Struktur oder dem Ideenreichtum des Landesverbandes zu tun!

Wer für die Angebote seiner Sportart werben und junge Leute ziehen will, müsste sich auch zeitgerecht verkaufen. Seit 15 Jahren erzähle ich den Verantwortlichen des BLV, dass die bayernweiten Stützpunkt-Angebote wie in anderen Sportarten selbstverständlich, ordentlich und zeitgerecht dargestellt werden müssten. Ich habe vielmals für die BLV-Webseite eine BLV-Stützpunkt-Landkarte vorgeschlagen, mit verschiedenfarbigen Fähnchen der Disziplingruppen, zum Anklicken mit greifbaren, verständlichen Detail-Informationen. Mir wurde wieder auf die Schulter geklopft. Gar nichts, absolut gar nichts hat sich auch hier geändert und es wird sich auch nichts ändern. Die Informationen über die einzelnen Stützpunkte dümpeln weiterhin lieblos, langweilig, unübersichtlich und anonym auf der BLV-Webseite. Lediglich die Blöcke Lauf und Sprung versuchen offensichtlich durch Eigeniniative etwas zu bewegen. Auch unser Stützpunkt, den es seit Herbst 2017 von München aus nicht mehr gibt, ist acht Monate später immer noch, wenn man sich entsprechend durchwurschtelt, unpersönlich zu finden. Allein das spricht Bände ....  

Seit einigen Jahren flattert jungen bayerischen Leichtathleten, wenn sie erstmals die Norm für den D-Kader übertroffen haben, ein ganz spezielles, sehr aggressives Schreiben ins Haus. In etlichen Sätzen wird dem jungen Talent und den Eltern erklärt was man muss, soll und was erwartet wird - aber mit keiner Silbe wird erwähnt oder gar zugesichert woraus denn nun eine konkrete, praktische Förderung besteht. Absoluter und einmaliger Höhepunkt ist dann noch eine Zahlungsaufforderung in Höhe von jährlich 100 € Eintrittsgeld in den Landeskader. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das Talent(das Gott sei Dank nicht bei Fußball, Basketball, Karate oder dauerhaft vor der Konsole gelandet ist) soll für seinen Fleiß beim Leichtathletik-Training an Unbeteiligte zahlen bzw. die Eltern für ihren Aufwand ...

So gäbe es noch viel zu erzählen über den BLV bzw. die Art seiner Aufgabenbewältigung. Das Allerweltsargument der BLV-Zentrale (die übrigends eine Menge Gebühren aus allen Teilen Bayerns einnimmt) "der geringen Mittel" ist logisch, wenn ich nur auf Zuschüsse warte. Wir alle müssen in unseren Vereinen doch schauen, wie wir an Eigenmittel herankommen um unseren Sport finanzieren zu können - der größte deutsche LV legt diesbezüglich die Hände in den Schoß und jammert über immer geringer werdende Fremd-Fördermittel ... 

Zu den bayerischen Meisterschaften 2017 in Augsburg suchte BLV-Cheftrainer Andi Knauer mit mir regelrecht das Gespräch. Wir unterhielten uns über eine Stunde sehr nett. Er gab mir in fast allen obigen Punkten von sich aus Recht. Kurz darauf flatterten unseren "Kader"-Athleten wieder die ominösen BLV-Schreiben mit Zahlungsaufforderung(also Erpresserbriefe) ins Haus, die unsere Sportler seit geraumer Zeit nicht mehr unterschreiben. Ich sollte mich daraufhin Richtung München äußern und tat dies sachlich. Daraufhin bekam ich genau von diesem Andi Knauer eine kurze Email mit den Wortlaut "genug der Worte, ich schlage vor, dass du in Zukunft nur noch als Vereinstrainer arbeitest". Auch in Ordnung, wie gesagt mich wundert in diesem Verband nichts mehr. Leute wie er drehen sich durch ihre Abhängigkeit nicht nur wie der Wind, sondern haben nicht kapiert, dass sie als Serviceleister für unsere Talente angestellt sind und dass ich/wir diese Arbeit, diese Leidenschaft nicht wegen ihren Jobs, wegen uns selbst oder wegen eines nicht funktionierendem BLV praktizieren, sondern einzig und allein für unsere Zufalls-Nachwuchstalente um diesen Sport nicht sterben zu lassen!

Es gibt also keinen offiziellen BLV-Stützpunkt Kulmbach-Stadtsteinach mehr. Warum - soll hiermit erklärt sein. Für unsere Sportler ändert sich damit (ob Kader oder Nicht-Kader) jedoch überhaupt nichts, absolut überhaupt nichts(weniger als Null-Förderung geht nicht).  Wir lieben diesen Sport, bei uns gibt es keine Eitelkeiten und Abhängigkeiten. Jeder Wurf-Interessierte(egal von welchem Verein) kann weiterhin unser Know-How und unser Equipement nutzen. Eltern junger Leichtathleten oder sportbegeisterter Neu-Einsteiger können jederzeit auf uns zukommen, Heimtrainer die Hilfe suchen sind uns willkommen. Die bayerische Leichtathletik, bzw. ihre Talent- und Leistungsförderung ist wie gesagt zum Großteil auf Zufall aufgebaut. Wir versuchen ein Tröpfchen auf den heißen Stein dazu beizutragen, daß die Entwicklung einzelner, williger Talente ein bischen mehr Chancen bietet als reiner Zufall.

Martin Ständner